Schlagwort-Archiv: Philmore

Philmore und die Artischocken – Part 5

8 Mai

Philmore lief und lief, bis ihm klar wurde, dass er garnicht wusste wohin. Trotzdem lief er zielstrebig weiter, als würde er von einem unsichtbaren Ziel angezogen. Ihm war, als stünden um ihn herum überall riesige neonerleuchtete Reklametafeln. Doch war dort nur der dunkle Wald, in dessen Schatten er sich immer weiter seinem ungewissen Zielort entgegen schleppte. Es musste von allerhand Getier wimmeln, doch nahm Phil davon kaum etwas wahr. Nur ein wager Gedanke daran, dass er sich in einem dunklen Wald befand, verband seinen Verstand mit der Tatsache, dass er sich in einem dunklen Wald befand. Urplötzlich blieb er stehen. Er sah sich um und erblickte nur Finsternis. Nur Finsternis und ein riesiges Schild mit der Aufschrift Bingo’s Gebrauchtwaren und Allerlei. Da Phil sich nun langsam bewusst wurde, dass er sich irgendwo in einem dunklen Wald befand, ging er näher zu dem ominösen Schild. Vielleicht hatte es ja irgendeine Bedeutung. Doch bevor er drei Schritte tun konnte, verschwand der Boden unter seinen Füßen und er fiel.

Abermals Finsternis. Finsternis und der seltsame Geruch von alten Möbeln, Messing und Mottenkugeln. Nach ein paar ewigen Augenblicken schienen sich seine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen und er erkannte ein schwaches Glühen vor sich. Wie weit es entfernt war, konnte er nicht sagen, doch bewegte er sich wie in Trance darauf zu. Dann knallte er volle Kanne gegen etwas hartes. Benommen stellte er fest, dass er gerade gegen eine Wand gelaufen war. Das Glühen war noch immer direkt vor ihm und er streckte seine Hand danach aus. Geblendet taumelte er zurück, als sich das Glühen als ein Lichtschalter herausstellte und der ganze Raum plötzlich in ein gleissendes Licht getaucht wurde.

Philmore und die Artischocken – Part 4

10 Apr

Diese Nacht hatte Philmore den merkwürdigsten Traum seines Lebens. Nachdem er noch stundenlang durch Wiesen und Felder gewandert war, fand er pünktlich zum Sonnenuntergang einen kleinen Wald, in dem er es sich sogleich kommod machte.
Auf einer umgestürzten Eiche verschlang er gierig den Rest seines Mistbrötchens, wovon er aber nur noch mehr Hunger und schlechte Laune bekam. Eifrig durchstöberte er seine Umgebung nach essbarem. Außer einem heruntergekommenen Eichhörnchen und einer handvoll Schnecken fand er nur einige wohlgeformte Pilze, die er sich prompt einverleibte.
Glücklicherweise war die Nacht sommerlich warm, sonst wäre Phil, der absolut unfähig war sich eine Unterkunft zu bauen, vermutlich erfroren. Zwischen einem Baumstamm und einem bemoosten Felsen schlief er dann schließlich ein, um von singenden Brötchen, behaarten Lakritzstangen und hartnäckigen Broschürenverteilern zu träumen. Nach gefühlten zehn Stunden unruhigen Schlafes wachte Philmore auf. Es war noch dunkel und sein Kopf fühlte sich an wie ein mit Watte vollgestopfter Luftballon. Zudem waren sowohl seine restlichen Brötchen verschwunden, als auch seine limitierten Buddy Gecko Sammelkarten und die neue Ausgabe von Schuh. Das mit den Brötchen ließ sich noch verkraften, aber die fehlenden Karten und das Modemagazin motivierten Philmore doch dazu aufzustehen und mal nachzuschauen. Jedenfalls versuchte er aufzustehen. Beim dritten Anlauf kam er dann endlich auf die Beine und wankte eher ziellos in den dunklen Wald.

Philmore und die Artischocken – Part 3

13 Mar

Bisschen kurz heut, aber die Zeit… Die Woche gibt’s dafür noch nen Textor. Und jetzt noch eine mitteilungswürdige Information:

Als sich Philmore, jetzt pleite aber dafür mit 2,75 ungenießbaren Brötchen bewaffnet, weiter nach Norden durschlug, näherte er sich langsam der Stadtgrenze. Häuser wurden immer seltener, der Verkehr lies nach und überhaupt begegnete er kaum noch einem Menschen. Irgendwann stand er dann am Ende des Bürgersteigs.

Hinter ihm die Stadt, in der zahllose Menschen ihrer Arbeit nachgingen. Die wenigsten davon gerne. Aber hatten sie eine Wahl?

Vor ihm lag meilenweit nur Natur. Keine Straßen, keine Schilder und niemand, der ihm sagen konnte, was er als nächstes tun sollte. Und zum ersten Mal auf seiner beschwerlichen Reise, die bestimmt schon eine Stunde andauerte, wurde sich Philmore bewusst, dass er nicht wusste, wohin er gehen musste. Also stand er dort an der äußersten Grenze der Stadt und starrte auf die weite Welt vor sich. Sollte er sich einfach umdrehen und wieder nachhause gehen? Waren ihm die Lakritzstangen wirklich so wichtig? Es war ja auch schon spät. In ein paar Stunden würde es dunkel und wer weiß, wie weit er bis dann käme. Alleine in der Wildnis? Das klang attraktiver, als es nur ein abstrakter Gedanke war. Aber jetzt stand er am Ende des Bürgersteigs und musste sich entscheiden. Lakritz oder Sicherheit? Sicherheit oder Lakritz?

Philmore kratzte sich am Hintern, spuckte auf den Pflasterstein unter seinen Füßen und ging los.

Auf ins Abenteuer, sagte er und war sich sicher, dass er es noch bereuen würde das gesagt zu haben.

Philmore und die Artischocken – Part 2

6 Mar

Auf der Suche nach seinen Lakritzstangen machte Philmore sich auf nach Norden. Auf dem Weg dorthin sollten sich ihm noch viele Gefahren in den Weg stellen, doch zuerst musste er sich noch Brote besorgen. Das hatte ihm der mysteriöse Fremde nämlich geraten.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Phil an einer auffallend protzigen Bäckerei vorbei. Die Fassade war mit kunstvollen Backwerk-Reliefs verziert, güldene Ähren schmückten die schwere Tür aus hellem Holz und Kristallglas und es duftete nach Zimtbrötchen und Erdbeerkuchen. Zuversichtlich trat Philmore durch die Pforte und wurde sogleich von einem Glockenspiel und den Worten “Willkommen in Meister Backs Bäckerei. Niemand beherrscht die Kunst des Backens besser!” empfangen. Auch das Innere des Ladens war mehr als prunkvoll eingerichtet. Vom polierten Marmorboden bis zur beeindruckend mit allerhand Backthematik bemalten Decke erinnerte der große Raum eher an einen barocken Ballsaal, als an einen Ort, an dem man seine Brötchen kauft. Alles glänzte und Philmore wurde fast geblendet von den kristallenen Vitrinen, in denen sich alle nur erdenklichen Backwaren präsentierten. Das Angebot reichte von gewöhnlichen Brötchen, von einer Schönheit, die Philmore sich nie von profanen Nahrungsmittel erträumt hätte, über strahlend bunte Fruchttörtchen, bis hin zu atemberaubend filigran gearbeiteten Gebilden aus Schokolade, Nougat, Nüssen, Teig und den exotischsten Zutaten. Hier wurde das Bäckerhandwerk wahrlich zur Kunst erhoben.

Von hinter der goldgefassten Theke lächelte ihn immer noch ein großer, dünner Mensch mit einer Bäckerschürze an, die viel mehr an eine Paradeuniform erinnerte, als an Arbeitsbekleidung. Selbst die Mütze saß im perfekten Winkel auf dem Kopf und wurde von drei goldenen Ähren geschmückt. “Wie kann ich Ihnen zu Diensten sein?”, fragte die uniformierte Person. “Ich bin auf der Reise und brauche Brote für den Weg.”, antwortete Phil, immernoch überwältigt von der Pracht seiner Umgebung. Die Backwarenverkaufsperson reagierte darauf, indem sie ihm lächelnd sämtliche Brotsorten aufzählte, die das Haus führte. Nach zwei Minuten drehte sich Philmores Kopf und er musste die Auflistung unterbrechen. Im Bewusstsein, dass er völlig vergessen hatte genug Geld mitzunehmen, bat er “Geben Sie mir einfach das billigste Brot, das sie haben.” Mit einem Hauch von Gleichgültigkeit nahm die Gestalt hinter der Theke eine kleinen Laib aus einem Regal und begann damit sämtliche Beläge aufzuzählen, die das Haus führte. Philmore wurde ganz schwindelig von der Vielfalt. Da waren Zutaten, von denen er noch niemals etwas gehört hatte und Worte, die er nichteinmal auszusprechen versuchte. “Günstige Wurst und einfacher Käse genügen”, unterbrach Philmore abermals. “Darf es noch eine Sauce sein?” Immernoch benommen fiel Phil der Backperson ins Wort, bevor diese richtig in fahrt kam. “Keine Sauce, danke!” Schließlich bekam Philmore drei kunstvoll in Papier verpackte Brötchen mit Wurst und Käse, ohne Sauce überreicht. Glücklicherweise hatte er gerade genug Münzen bei sich, um die durchaus beachtliche Rechnung zu begleichen. Und so verließ Philmore die wunderhafte Bäckerei, zwar ohne einen Cent Geld in der Tasche, aber dafür mit den drei köstlichst aussehendsten Brötchen, die man sich vorstellen kann.

Er war kaum zwei Schritte gegangen, als ihn die Neugier -und auch zu einem gewissen Teil der Hunger- überkam. Er wickelte eines der Backkunstwerke aus seinem Papierkleid und biss hinein. Nicht nur waren es die wunderschönsten Brötchen, die er jemals gesehen hatte, es waren auch die geschmacklosesten. Genausogut hätte er die Verpackung essen können. Verärgert und keinesfalls gesättigt setzte Philmore seine Reise nach Norden fort. Ohne einen Cent in der Tasche und mit drei beschissenen Poser-Brötchen.

Philmore und die Artischocken – Part 1

25 Feb

Haha. Müll!

Es war ein klarer, warmer Spätsommernachmittag. Die Kinder spielten im Dreck, die Pizzaboten lieferten ihre Pizzen, die Hunde sahen glücklich den vorbeifahrenden Autos nach. Alles war wie es sein sollte. Philmore war auf dem Weg in den Süßwarenladen, um sich ein paar von diesen grünen Lakritzstangen, die gar nicht aus Lakritz bestehen, zu kaufen. Ihr wisst welche ich meine. Das tat Philmore jedoch nicht ohne Grund. Sondern weil er total Bock darauf hatte. Freudig betrat er den Laden und ging zielstrebig auf das Lakritzstangenregal zu, um dort festzustellen, dass es keine grünen Lakritzstangen sah. Er suchte das ganze Regal von oben bis unten ab. Dann den gesamten Laden. Ohne Erfolg. Er fragte die dürre Verkäuferin, wo sie die grünen Lakritzstangen hätten. Vergeblich.

Etwas angesäuert dachte sich Philmore, er würde vielleicht im Supermarkt fündig. Nach einem nervenzerreißenden Trip in selbigen wurde Philmore eines besseren belehrt. Das kann doch nicht wahr sein, dachte sich Philmore. Irgendwo musste es doch diese veflixten Lakritzstangen geben, auf die ich so pervers Bock hab. Schließlich entschied er sich sein Glück an der Tanke zu versuchen. Auch nichts. Verzweifelt machte Philmore sich auf einer Parkbank breit. In der ganzen Stadt gab es keine Spur von den grünen Köstlichkeiten, die sich Philmore so sehr wünschte. Und der Tag hatte so gut angefangen. Wütend warf er ein Nusstörtchen nach einer taube, die sich daraufhin in ein Häufchen Tomatensauce verwandelte.

Als Philmore sich gerade auf den Nachhauseweg machen wollte, tauchte eine zwielichtige Gestalt aus dem Schatten einer Buche auf. „Hey, du! Du Kerl!“, sprach er Phil an. „Du siehst aus wie jemand, dem etwas sehr wichtiges fehlt.“ Philmore war im Inbegriff sich einfach abzuwenden und zu gehen, als er es sich plötzlich anders überlegte. „Was du suchst, wirst du hier nicht finden. Geh nach Norden. Nimm Brote mit.“ Mit diesen Worten war der Fremde verschwunden. Mist, dachte sich Phil, ich hab ja doch nix besseres zu tun. Und so machte er sich auf den Weg nach Norden.

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