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Oh Harley-Wood!

14 Mai

Wusstet ihr, dass ich seit neuestem Motorräder bemerke? Nicht etwa, weil sie mich interessieren oder sie mich neuerdings begeistern, nein, es passierte mehr durch Zufall! Und zwar fuhr ich letzten Donnerstag nach der Arbeit noch zu meinem Nebenjob aufs Land, dort betreue ich von Zeit zu Zeit in regelmäßigen Abständen einen Jungen mit Behinderung, und wenn das Wetter mitspielt, pflegen wir spazieren zu gehen. So auch an jenem Tag!

Sein Heimatdorf liegt wie eben erwähnt eher ländlich, und ich muss sagen, ich liebe die Landschaft, die man dort vorfindet, denn es wimmelt von Bäumen, Feldern und Grünflächen, und die Luft ist auch sehr angenehm! So marschierten wir also durch die sehr schlecht gemähten Feldwege(manche verlaufen sich nach einiger Zeit komplett in zugewachsene Wiesen), als wir einen gepflasterten Weg erreichten. Nach längerer Waterei war ein befestigter Weg mehr als willkommen. Und als wir so den Weg entlanggingen, vernahm ich von hinten Motorengeräusche und wir gingen beiseite! Der Junge schien ziemlich begeistert davon, doch ich dachte mir weiter nichts dabei. Auch dann noch nicht als kurz im Anschluss noch ein weiteres und dann noch ein weiteres Motorrad vorbeigefahren waren.

Als dann der Weg endete und wir an der offenen Straße standen, sahen wir uns einem einzelnen Haus gegenüber, und davor war ein Mann, der mit seinem Motorrad hin und her fuhr. Zu diesem Zeitpunkt rutschte mir ein knappes “Kurios!” heraus. Als wir kurze Zeit später in die Straße, in der er wohnt, eingebogen waren und Richtung heimwärts marschierten, standen in der Straße zwei Jugendliche aus der Nachbarschaft mit, ihr ahnt es sicher schon, Motorrädern! Ich sagte es laut: “Damit wären wir bei sechs!” (weiterlesen…)

The Aging Starlet

22 Mai

“Da drüben steht sie wieder, redet mit einem Tontechniker, offensichtlich versucht sie zu flirten, doch sie ist beinah doppelt so alt wie er, zumindest sieht es so aus, daher scheinen ihn ihre Avancen kalt zu lassen. Es ist Donnerstag morgen, 8.39 Uhr, momentan laufen die Dreharbeiten zu einem Kammerspiel, in dem es um Mäusejagd geht. Oder irgendwie sowas. Sie wirkt müde und erschöpft, doch gibt sie sich ausgelassen und fröhlich, ihr Lachen so laut und unterschwellig hysterisch, dass man merkt, dass etwas ziemlich schief gelaufen ist.

Wisst ihr, ich kenne sie schon lange, ich hab sie vor 15 Jahren das erste Mal getroffen, sie ist ein Jahr vor mir angefangen, damals war sie noch zarte 24 Jahre jung. Und schön, kann ich euch sagen! Sie war von solch bezaubernder Schönheit, einer Schönheit von der Sorte, dass man, wenn man sie auf der Straße gesehen hatte, einen Moment stehen bleiben musste, um sich noch einmal umzudrehen! Ihr bezauberndes Lächeln hätte jederzeit den härtesten Büffel umgeworfen. Und man sollte meinen, dass eine solche Frau eine gewisse Arroganz aufweist, aber falsch! Ihre Art war ebenso bezaubernd wie ihr Äußeres! Ich weiß noch, als ich sie das erste Mal traf, war ich im ersten Moment so perplex, ich brachte kein Wort heraus, lediglich verlegenes Gestammel. So umwerfend war sie!

Nun, ihr könnt euch sicher vorstellen, dass dementsprechend die halbe Filmcrew hinter ihr her war, der Kameramann, der aufstrebende Regisseur, sogar der Typ, der immer das Kabel von der Kamera gehalten hat! Und ein paar andere. Aber sie, naja, sie war verschossen in diesen jungen Schauspieler. Kein besonders Begabter Schauspieler, aber er sah wohl gut aus. Und die Frauen lagen ihm zu Füßen! Sie umschwarm ihn sehr lange Zeit, sie flirtete ausgiebig, und irgendwann verbrachten sie dann die Nacht zusammen. Er sagte ihr, ihm wäre nicht nach einer Beziehung zumute, und sie behauptete, ihr ginge es genauso, daher wäre eine lockere Affäre in Ordnung für sie. Hat sie jedenfalls gesagt.

Die Zeit schritt voran, sie betonte immerzu, dass ein lockeres Verhältnis ok für sie wäre, doch blieb sie beharrlich. Sie versuchte es zunächst mit netten Gesten, dann wurde das Buhlen um Aufmerksamkeit und Zuneigung etwas beharrlicher und vermehrt. Die Avancen der anderen wies sie stets ab, da sie die Hoffnung nie aufgeben wollte, dass irgendwann vielleicht doch mehr sein könnte. Der Kabeltyp hat sie mal zum Essen einladen wollten, aber er bekam eine freundliche aber dennoch demotivierende Zurückweisung! Der Kameramann war sehr verliebt in sie, er versuchte es sehr lange Zeit, seine Energie und sein Durchhaltevermögen waren bemerkenswert, doch im Endeffekt wurde er doch von der bitteren Realität übermannt. Er wäre für sie bestimmt bis ans Ende der Welt gegangen. Der Regisseur war da weniger konsequent, er versuchte es ein paar Mal auf die plumpe Tour, was keinen besonderen Eindruck hinterließ. Sie blieb ihren Träumen treu und wartete weiter.

Sie folgte ihm auf eine Reise, die er im Rahmen seiner Karriere unternehmen musste, nach Schottland. Sie erhoffte sich viel von der Reise, doch musste sie ihn letztlich mit anderen Frauen betrachten, meistens war er high bis in die Haarspitzen und mit dem Gesicht in einem der anderen Starlets verschwunden. Doch sie hielt durch.

Sie hielt länger durch, als ich es je vermutet hätte, doch wurde auch sie mit der Zeit älter. Nicht, dass sie unansehnlich geworden wäre, sie nahm lediglich ein paar Pfund zu und trug die üblichen Gebrauchsspuren des Älterwerdens davon. Die Zeit verging, der Regisseur hat immer mal wieder ein paar Starlets vernascht, und als eine schwanger wurde, heiratete er diese eben. Der Kameramann kündigte irgendwann seinen Job und wandte sich neuen Aufgaben zu. Der Kabeltyp traf irgendwann eine Frau, die weniger anspruchsvoll war und heiratete sie. Sie sind inzwischen 10 Jahre verheiratet. Ich bin mir fast sicher, dass ein paar davon glücklich gewesen sind!

Doch sie, sie blieb allein. Irgendwann vor nicht zu langer Zeit zog er nach Alaska um. Sie wollte ihn begleiten, doch wies er sie zurück und machte ein letztes Mal unmissverständlich klar, dass sie in seinem Leben nicht Die, sondern nur Eine ist und immer gewesen ist. Und da musste sie sich mit dem Wissen abfinden, dass sie für ihn immer nur eine gewesen ist und er für sie… nunja, nicht!

Er ist inzwischen weg, die meisten anderen auch, nur sie nicht. Sie und ihre Träume befinden sich auch heute noch in diesem Studio. Inzwischen scheint ihre allgemeine Anziehungskraft verflogen, ebenso wie ihre Ansprüche. Tag für Tag schleppt sie sich in dieses verdammte Studio, nagend an der Erkenntnis, dass die Zeit niemals halt macht und dass manche Dinge einfach nicht so ablaufen wie man es von all den Filmen, an denen sie mitgearbeitet hat, gezeigt bekommt…

Meister T

22 Mai

Blitze schlängelten sich aus den dunklen Wolken, wie strahlende Schlangen die aus ihrem Nest flohen. Der Regen tauchte die Stadt in einen Schleier aus schwarz und Grautönen. Selbst die sonst so grellen Werbetafeln und Scheinwerfer verloren sich im nächtlichen Gewitter. Meister T stand am offenen Fenster des enormen Betonbaus und blickte in die Nacht.
Die graue Robe um sich gewickelt, grübelte der Meister sich einen ab, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Durfte er diese Entscheidung überhaupt treffen? Fast 70 Jahre Lebenserfahrung und die beste Ausbildung, die man sich vorstellen kann, halfen ihm in diesem Moment nicht weiter. Der Lauf der Geschichte lag nun in seiner Verantwortung und nach all diesen Jahren der Aufopferung und Vorbereitung, war er sich jetzt nicht mehr sicher, ob er diese Verantwortung tragen wollte. Zwar stand der Rat hinter ihm, doch war es letztendlich sein Entschluss, der das Schicksal der Menschheit entscheiden würde. Er konnte es nicht tun. Aber er musste. Seit über einem Jahrhundert hatte sein Orden auf diesen Moment hin gearbeitet, doch was sind hundert Jahre gegen Millenia der menschlichen Entwicklung? Hatte er wirklich eine Wahl? Was wenn er sich dagegen entschied? Die anderen Meister seines Ordens würden das sicherlich nicht hinnehmen. Zwar kämpften sie für eine gerechtere Welt, doch wurden dafür schon zu viele Opfer gebracht, als dass ein Mann mehr ihre Ansichten umlenken könnte. Er musste sich entscheiden. Wenn er es tat, würde sein Name die Zukunft überdauern. Ob als Erlöser oder als Richter der Menschheit. Wenn er es nicht tat, würde es jemand anders tun und auch er konnte daran nichts mehr ändern.

Ein Blitz erhellte den langen Raum und eine Windböe löschte die zahlreichen Kerzen, die überall verteilt waren. Ruft den Rat zusammen, ertönte die Stimme des Meisters, die aus unendlicher Ferne zu kommen schien, das Gewitter jedoch mühelos übertönte. Aus den Schatten neben der Tür löste sich ein grauer Schemen und verschwand in der Dunkelheit. Das Urteil war gefällt, nun lag es an ihnen es zu vollstrecken.

Philmore und die Artischocken – Part 5

8 Mai

Philmore lief und lief, bis ihm klar wurde, dass er garnicht wusste wohin. Trotzdem lief er zielstrebig weiter, als würde er von einem unsichtbaren Ziel angezogen. Ihm war, als stünden um ihn herum überall riesige neonerleuchtete Reklametafeln. Doch war dort nur der dunkle Wald, in dessen Schatten er sich immer weiter seinem ungewissen Zielort entgegen schleppte. Es musste von allerhand Getier wimmeln, doch nahm Phil davon kaum etwas wahr. Nur ein wager Gedanke daran, dass er sich in einem dunklen Wald befand, verband seinen Verstand mit der Tatsache, dass er sich in einem dunklen Wald befand. Urplötzlich blieb er stehen. Er sah sich um und erblickte nur Finsternis. Nur Finsternis und ein riesiges Schild mit der Aufschrift Bingo’s Gebrauchtwaren und Allerlei. Da Phil sich nun langsam bewusst wurde, dass er sich irgendwo in einem dunklen Wald befand, ging er näher zu dem ominösen Schild. Vielleicht hatte es ja irgendeine Bedeutung. Doch bevor er drei Schritte tun konnte, verschwand der Boden unter seinen Füßen und er fiel.

Abermals Finsternis. Finsternis und der seltsame Geruch von alten Möbeln, Messing und Mottenkugeln. Nach ein paar ewigen Augenblicken schienen sich seine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen und er erkannte ein schwaches Glühen vor sich. Wie weit es entfernt war, konnte er nicht sagen, doch bewegte er sich wie in Trance darauf zu. Dann knallte er volle Kanne gegen etwas hartes. Benommen stellte er fest, dass er gerade gegen eine Wand gelaufen war. Das Glühen war noch immer direkt vor ihm und er streckte seine Hand danach aus. Geblendet taumelte er zurück, als sich das Glühen als ein Lichtschalter herausstellte und der ganze Raum plötzlich in ein gleissendes Licht getaucht wurde.

Philmore und die Artischocken – Part 3

13 Mar

Bisschen kurz heut, aber die Zeit… Die Woche gibt’s dafür noch nen Textor. Und jetzt noch eine mitteilungswürdige Information:

Als sich Philmore, jetzt pleite aber dafür mit 2,75 ungenießbaren Brötchen bewaffnet, weiter nach Norden durschlug, näherte er sich langsam der Stadtgrenze. Häuser wurden immer seltener, der Verkehr lies nach und überhaupt begegnete er kaum noch einem Menschen. Irgendwann stand er dann am Ende des Bürgersteigs.

Hinter ihm die Stadt, in der zahllose Menschen ihrer Arbeit nachgingen. Die wenigsten davon gerne. Aber hatten sie eine Wahl?

Vor ihm lag meilenweit nur Natur. Keine Straßen, keine Schilder und niemand, der ihm sagen konnte, was er als nächstes tun sollte. Und zum ersten Mal auf seiner beschwerlichen Reise, die bestimmt schon eine Stunde andauerte, wurde sich Philmore bewusst, dass er nicht wusste, wohin er gehen musste. Also stand er dort an der äußersten Grenze der Stadt und starrte auf die weite Welt vor sich. Sollte er sich einfach umdrehen und wieder nachhause gehen? Waren ihm die Lakritzstangen wirklich so wichtig? Es war ja auch schon spät. In ein paar Stunden würde es dunkel und wer weiß, wie weit er bis dann käme. Alleine in der Wildnis? Das klang attraktiver, als es nur ein abstrakter Gedanke war. Aber jetzt stand er am Ende des Bürgersteigs und musste sich entscheiden. Lakritz oder Sicherheit? Sicherheit oder Lakritz?

Philmore kratzte sich am Hintern, spuckte auf den Pflasterstein unter seinen Füßen und ging los.

Auf ins Abenteuer, sagte er und war sich sicher, dass er es noch bereuen würde das gesagt zu haben.

Philmore und die Artischocken – Part 2

6 Mar

Auf der Suche nach seinen Lakritzstangen machte Philmore sich auf nach Norden. Auf dem Weg dorthin sollten sich ihm noch viele Gefahren in den Weg stellen, doch zuerst musste er sich noch Brote besorgen. Das hatte ihm der mysteriöse Fremde nämlich geraten.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Phil an einer auffallend protzigen Bäckerei vorbei. Die Fassade war mit kunstvollen Backwerk-Reliefs verziert, güldene Ähren schmückten die schwere Tür aus hellem Holz und Kristallglas und es duftete nach Zimtbrötchen und Erdbeerkuchen. Zuversichtlich trat Philmore durch die Pforte und wurde sogleich von einem Glockenspiel und den Worten “Willkommen in Meister Backs Bäckerei. Niemand beherrscht die Kunst des Backens besser!” empfangen. Auch das Innere des Ladens war mehr als prunkvoll eingerichtet. Vom polierten Marmorboden bis zur beeindruckend mit allerhand Backthematik bemalten Decke erinnerte der große Raum eher an einen barocken Ballsaal, als an einen Ort, an dem man seine Brötchen kauft. Alles glänzte und Philmore wurde fast geblendet von den kristallenen Vitrinen, in denen sich alle nur erdenklichen Backwaren präsentierten. Das Angebot reichte von gewöhnlichen Brötchen, von einer Schönheit, die Philmore sich nie von profanen Nahrungsmittel erträumt hätte, über strahlend bunte Fruchttörtchen, bis hin zu atemberaubend filigran gearbeiteten Gebilden aus Schokolade, Nougat, Nüssen, Teig und den exotischsten Zutaten. Hier wurde das Bäckerhandwerk wahrlich zur Kunst erhoben.

Von hinter der goldgefassten Theke lächelte ihn immer noch ein großer, dünner Mensch mit einer Bäckerschürze an, die viel mehr an eine Paradeuniform erinnerte, als an Arbeitsbekleidung. Selbst die Mütze saß im perfekten Winkel auf dem Kopf und wurde von drei goldenen Ähren geschmückt. “Wie kann ich Ihnen zu Diensten sein?”, fragte die uniformierte Person. “Ich bin auf der Reise und brauche Brote für den Weg.”, antwortete Phil, immernoch überwältigt von der Pracht seiner Umgebung. Die Backwarenverkaufsperson reagierte darauf, indem sie ihm lächelnd sämtliche Brotsorten aufzählte, die das Haus führte. Nach zwei Minuten drehte sich Philmores Kopf und er musste die Auflistung unterbrechen. Im Bewusstsein, dass er völlig vergessen hatte genug Geld mitzunehmen, bat er “Geben Sie mir einfach das billigste Brot, das sie haben.” Mit einem Hauch von Gleichgültigkeit nahm die Gestalt hinter der Theke eine kleinen Laib aus einem Regal und begann damit sämtliche Beläge aufzuzählen, die das Haus führte. Philmore wurde ganz schwindelig von der Vielfalt. Da waren Zutaten, von denen er noch niemals etwas gehört hatte und Worte, die er nichteinmal auszusprechen versuchte. “Günstige Wurst und einfacher Käse genügen”, unterbrach Philmore abermals. “Darf es noch eine Sauce sein?” Immernoch benommen fiel Phil der Backperson ins Wort, bevor diese richtig in fahrt kam. “Keine Sauce, danke!” Schließlich bekam Philmore drei kunstvoll in Papier verpackte Brötchen mit Wurst und Käse, ohne Sauce überreicht. Glücklicherweise hatte er gerade genug Münzen bei sich, um die durchaus beachtliche Rechnung zu begleichen. Und so verließ Philmore die wunderhafte Bäckerei, zwar ohne einen Cent Geld in der Tasche, aber dafür mit den drei köstlichst aussehendsten Brötchen, die man sich vorstellen kann.

Er war kaum zwei Schritte gegangen, als ihn die Neugier -und auch zu einem gewissen Teil der Hunger- überkam. Er wickelte eines der Backkunstwerke aus seinem Papierkleid und biss hinein. Nicht nur waren es die wunderschönsten Brötchen, die er jemals gesehen hatte, es waren auch die geschmacklosesten. Genausogut hätte er die Verpackung essen können. Verärgert und keinesfalls gesättigt setzte Philmore seine Reise nach Norden fort. Ohne einen Cent in der Tasche und mit drei beschissenen Poser-Brötchen.

Philmore und die Artischocken – Part 1

25 Feb

Haha. Müll!

Es war ein klarer, warmer Spätsommernachmittag. Die Kinder spielten im Dreck, die Pizzaboten lieferten ihre Pizzen, die Hunde sahen glücklich den vorbeifahrenden Autos nach. Alles war wie es sein sollte. Philmore war auf dem Weg in den Süßwarenladen, um sich ein paar von diesen grünen Lakritzstangen, die gar nicht aus Lakritz bestehen, zu kaufen. Ihr wisst welche ich meine. Das tat Philmore jedoch nicht ohne Grund. Sondern weil er total Bock darauf hatte. Freudig betrat er den Laden und ging zielstrebig auf das Lakritzstangenregal zu, um dort festzustellen, dass es keine grünen Lakritzstangen sah. Er suchte das ganze Regal von oben bis unten ab. Dann den gesamten Laden. Ohne Erfolg. Er fragte die dürre Verkäuferin, wo sie die grünen Lakritzstangen hätten. Vergeblich.

Etwas angesäuert dachte sich Philmore, er würde vielleicht im Supermarkt fündig. Nach einem nervenzerreißenden Trip in selbigen wurde Philmore eines besseren belehrt. Das kann doch nicht wahr sein, dachte sich Philmore. Irgendwo musste es doch diese veflixten Lakritzstangen geben, auf die ich so pervers Bock hab. Schließlich entschied er sich sein Glück an der Tanke zu versuchen. Auch nichts. Verzweifelt machte Philmore sich auf einer Parkbank breit. In der ganzen Stadt gab es keine Spur von den grünen Köstlichkeiten, die sich Philmore so sehr wünschte. Und der Tag hatte so gut angefangen. Wütend warf er ein Nusstörtchen nach einer taube, die sich daraufhin in ein Häufchen Tomatensauce verwandelte.

Als Philmore sich gerade auf den Nachhauseweg machen wollte, tauchte eine zwielichtige Gestalt aus dem Schatten einer Buche auf. „Hey, du! Du Kerl!“, sprach er Phil an. „Du siehst aus wie jemand, dem etwas sehr wichtiges fehlt.“ Philmore war im Inbegriff sich einfach abzuwenden und zu gehen, als er es sich plötzlich anders überlegte. „Was du suchst, wirst du hier nicht finden. Geh nach Norden. Nimm Brote mit.“ Mit diesen Worten war der Fremde verschwunden. Mist, dachte sich Phil, ich hab ja doch nix besseres zu tun. Und so machte er sich auf den Weg nach Norden.

Ahhh!

23 Feb

Und nochmal: Ahh! Darmstadt. Die Stadt der Engel. Das Los Angeles Deutschlands. Manche nennen es auch die Stadt der Engel.

Wie ihr alle wisst bewohne ich den 18. Stock in einem Asylantenwohnheim- flackernde Lichter, kaputte Fensterscheiben und ein total vollgemüllter Aufzug sind an der Tagesordnung. Wenn man es morgens schafft die Eingangstür unbehelligt zu passieren ohne angemacht worden zu sein kann man schon von einem guten Tag sprechen. Wenn mich meine Freundin besuchen kommt muss ich ihr bereits in der Bahn ein eigens dafür gekauftes Kopftuch anziehen und sie unter lauten “Yalla yalla” -Rufen in meine Wohnung scheuchen- damit ich nicht in Gefahr laufe mitten in der Nacht von einem aufgebrachten Fundamentalistenmob meine Tür eingetreten zu bekommen. Wir haben sie vorsichtshalber trotzdem von Innen mit quergelegten Stahlstreben verstärkt, so in etwa wie man sich mittelalterliche Burgtore vorstellt, links und rechts jeweils zwei fest in der Wand verankerte Eisenbolzen um  die Streben einzulegen. Kritisch wirds nur wenn mein Mitbewohner und ich beide aus dem Haus müssen- jedes Mal dieses ungute Gefühl im Magen, dass genau in diesem Moment während man in der Uni sitzt jemand in deine Wohnung einbricht und Rechner, Waschmaschine und Bügeleisen klaut. Bis heute Abend ging alles gut. Bis heute Abend.

Aber der Tag fing sowieso schon seltsam an. Jojo, mein Mitbewohner war wie seit einer Woche schon um 7.00 Uhr aus dem Haus, da er zur Zeit ein Praktikum im entfernten Frankfurt macht. Was genau tut nichts zur Sache, nur die Uhrzeit wann er das Haus verlässt. Das tut man nämlich am besten vor 9.00 Uhr und nach 7.00 Uhr. Wenn man es bis dahin nicht geschafft hat lässt man es besser bleiben, sperrt sich in seiner Wohnung ein und hofft das Beste, nur nicht auffallen. Probiert man früher als 7.00 die sichere Wohnung zu verlassen droht selbst auf dem kurzen Weg zur Straßenbahnhaltestelle Gefahr von den letzten verbliebenen Nachtwanderern, welche am ganz frühen Morgen ganz übel gelaunt sind. Immer. Wer unter der Woche um diese Zeit immer noch wach ist, ist es aus gutem Grund. Alkohol, Drogen, Probleme. Eine übele Mischung. Und erreicht man doch stinkend vor Angstschweiß die Straßenbahn ohne besonders viel Blut verloren zu haben geht der Psychostress erst richtig los. Vor 7.00 hat die Polizei noch nicht die Wagons räumen lassen, allerhand Gestalten fahren im Kreis. Wer unter der Woche morgens vor 7.00 noch immer in der Straßenbahn sitzt hat ein Problem. Damit hast du ein Problem. Augenkontakt vermeiden, sich unauffällig verhalten, immer zwei Portmonaies am Körper tragen. Eines ohne Geld, eines mit Geld. Wenn sich von hinten ein Messer langsam deinem Hals nährt einfach ebenso langsam, sehr langsam zur leeren Geldbörse greifen und sie wortlos rückwärts reichen. Das ist kein Verlust, auf dem Boden findet man immer eine neue.

Aber wieso nicht nach 9.00 Uhr? Simpel. Diejenigen, die es sich am Abend vorher richtig gut besorgt haben und schon früh zwischen den Müllsäcken und vollgepumpt mit Drogen weggesackt sind, werden langsam wieder munter. Munter ist das absurd falscheste Wort an dieser Stelle überhaupt. Sie bewegen sich. Sie haben einen fiesen Kater. Wer abends auf die Art und Weise einschläft und morgens genauso wieder wach wird, hat eine Scheißwut auf die Welt. Kurz gesagt: Vermeiden.

Jojo war also schon weg, ich hatte zwar erst um 14.00 Uni, aber was soll ich machen? Wenn ich anwesend sein will bleibt mir nichts anderes übrig als mich viel zu früh auf die Socken zu machen. Punkt 8.00 verlasse ich also meine Wohnung, verwundert daüber wieso der Junkie vor meiner Haustür bereits gähnt, auch die Urinlache zwischen seinen Beinen scheint noch warm zu sein, sie dampft. An einem normalen Mittwoch würde er zuckend vor Albträumen und bereits so weit die Wand hinuntergerutscht sein, dass er mindestens mit seinem Nacken an der Pfütze andockt. Schnell renne ich ein Stockwerk tiefer um da auf den Fahrstuhl zu warten, man wird vorsichtig wenn man hier lebt und lernt die feinen Anzeichen einer Gefahrensituation. Draussen im Hof will es nicht besser werden. Wieso sind die alle schon fast wach? Wieso reden die miteinander ohne Schimpfwörter zu benutzen? Aber wieso, warum zur Hölle beachtet mich niemand? Nicht dass ich darüber nicht auch froh wäre, die gierigen Blicke dieser Verlierer sind gewiss nicht angehem, aber doch irgendwie vertraut. Was ist heute nur los?

Fortsetzung folgt. KW von der Sozialfront.

Herbert Malloy – Kapitel 1

13 Feb

So liebe Kinder, es gibt mal wieder listige Geschichten von Onkel Marce. Diesmal das erste Kapitel einer Detektivgeschichte aus der Zukunft. Huuuu! Viel Spaß mit dem Kram.


Es war ein unmöglicher Fall, so hieß es. Deswegen kamen sie zu mir. Unmöglichkeiten waren mein Spezialgebiet. Vor meiner Zeit als Privatermittler war ich Internetprofessor für allgemeine theoretische Physik, Philosophie und Metaphysik auf stuffyoushouldknow.org.

Bis sie beschlossen, dass ich “überqualifiziert” wäre und die Nachfrage an Bildung nicht mehr dem Angebot entsprach. Ich suchte Trost in billigen Kneipen und 24/7 Schnellrestaurants, wo der Kaffee so schwarz ist, wie die Seelen der Firmenchefs. Ich teilte meinen Tag mit anderem menschlichen Abschaum und wurde allzu oft Zeuge der realen Welt hinter den aufpolierten Hitserien und Lifestyle-Blogs. So kam ich zu meinem Job als Detektiv. Und so kam ich auch zu diesem Fall.

Mein Name ist Herbert Malloy. Und wenn die Logikprozessoren der Ermittlung für Volks Sicherheit versagen, der Kunde sich die EVS nicht leisten kann oder die Sache nicht 100% legal ist, kommen die Leute zu mir. In diesem Fall trafen alle drei Faktoren zu.

Der Auftraggeber kontaktierte mich per Instant Messaging. Was meine Aufmerksamkeit weckte, war die Tatsache, dass die Nachricht verschlüsselt war und scheinbar nicht über die üblichen, von GoogleCorp überwachten Kanäle kam. Solche Heimlichtuerei war recht ungewöhnlich, in einer Zeit, in der die Menschen mehr über sich preis gaben, als irgendjemand wissen wollen könnte  und jeder Dritte seinen Gang zur Toilette video-streamte, um die ganze Welt daran teilhaben zu lassen.

Ein weiterer Punkt, der mein Interesse forderte, war der Name, mit dem die Nachricht unterzeichnet war. Es handelte sich um einen Geist, eine bloße Erinnerung aus meinem vorherigen Leben. Jemand, der meines Wissens nach gar nicht mehr existieren dürfte.

Entweder hatte sich jemand wirklich gut über meine Geschichte informiert und wollte unbedingt meine Aufmerksamkeit oder ich wurde langsam verrückt. Aber wieso sollte jemand eine Leiche aus längst vergangenen Tage ausgraben, nur um mich neugierig zu machen? Irgendwas war hier faul.

Über den eigentlichen Auftrag verlor der fragwürdige Absender kein Wort. Nur dass es sehr riskant und so gut wie unmöglich sei. Und dass ich nicht mit einer guten Bezahlung rechnen dürfte. Ich sollte mich in einer kleinen Tee-Bar in der Nähe des Hauptsitzes der Arsenic Corporation mit meinem mysteriösen Auftraggeber treffen. Wer auch immer dachte, er könnte mich mit einem simplen Namen aus meiner Vergangenheit locken, hatte recht. Das musste ich einfach unter die Lupe nehmen.

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